Risiko Nummer 1: Insektenstiche

In den Tropen werden zahlreiche Mikroben durch Fliegen und Mücken auf den Menschen übertragen. Je nach Region findet man verschiedene Insekten, welche als sogenannte Vektoren („Überträger“) bestimmte Krankheitserreger übertragen können.

Das Prinzip ist immer dasselbe: die Insekten stechen ein Tier oder einen Menschen, um sich von dessen Blut zu ernähren, und übertragen dabei die Krankheitserreger. Es ist deshalb sehr unvorsichtig mit nackten Armen und Beinen in Regionen unterwegs zu sein, in denen hämatophage1 Fliegen und Mücken vorkommen.

Machen wir Bekanntschaft mit den wichtigsten Insekten, welche Vektoren für die Erreger von Tropenkrankheiten sind:

  • Die Tigermücke stammt ursprünglich aus Südostasien, findet sich heute aber auf allen Kontinenten, einschliesslich nicht-tropischer Regionen. Sie ist bereits in Südeuropa anzutreffen und breitet sich, unterstützt durch die Klimaerwärmung, auch auf Gebiete nördlich der Alpen aus. In der Schweiz wurde die Tigermücke im Tessin seit 2003 gegründet und ist
    jetzt am Genfersee und in der Region Basel aufgetreten. Sie verdankt ihren Namen dem schwarz-weissen Streifenmuster auf Körper und Beinen sowie ihrem aggressiven Stechverhalten. Nur das Weibchen nimmt Blutmahlzeiten zu sich; es sticht tagsüber, vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung. Die Tigermücke kann gegen dreissig verschiedene Viren übertagen, darunter das Chikungunya-Virus, das Zikavirus2, das Denguevirus3, oder das Gelbfiebervirus4.
  • Anophelesmücken. Ex existieren 464 Anophelesmücken-Arten, von denen 68 Malaria übertragen können. Die Malaria ist eine Tropenkrankheit welche hauptsächlich durch Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht wird. Der wichtigste Erreger ist Plasmodium falciparum, jedoch können vierweitere Plasmodium Arten ebenfalls eine Malaria verursachen. Anophelesmücken sind vor allem in Zentralafrika und in Asien verbreitet. Die Weibchen stechen während der Morgen- und Abenddämmerung. Anophelesmücken sind leicht an ihrer Körperhaltung zu erkennen: Auf einer glatten Oberfläche sitzen sie vornübergebeugt mit dem Kopf nach unten und dem Hinterteil in die Hohe.

 

  • Die Tsetse-Fliege lebt vor allem in Afrika. Sie ist tagsüber aktiv ist und der wichtigste Überträger der Schlafkrankheit, welche durch den Parasiten Trypanosoma brucei verursacht wird. Diese Fliege hat eine für Insekten aussergewöhnliche Art der Fortpflanzung: sie legt keine Eier, sondern gebiert eine lebende Larve, die sie während etwa zehn Tagen in ihrem Uterus trägt und mit einem milchartigen Sekret ernährt, ähnlich den Säugetieren. Bei den Tsetse-Fliegen sind sowohl Weibchen als auch Männchen hämatophag1.
  • Sand- oder Phlebotomusmücke. Es handelt sich um eine sehr kleine Mücke, kaum grösser als eine Stechmücke, die jedoch die Erreger der Leishmaniose5 übertragen kann. Sie ist vor allem nachts aktiv.
  • Raubwanzen. Diese Insekten, welche man ausschliesslich in Zentral- und Südamerika findet deponieren nachts ihre Exkremente auf die Haut, welche den Parasiten Trypanosoma cruzi, den Erreger der Chagas-Krankheit6 enthalten können. Der Parasit durchdringt anschliessend die Haut durch Stiche oder Abschürfungen.

Und andere Risiken ?

  • Der Verzehr von Nahrung, die durch Exkremente von Nagetieren verseucht ist, kann zu einer schweren Erkrankung, dem Lassafieber führen.
  • Das Trinken von verschmutztem Wasser und der Verzehr roher Lebensmittel wie Salate und Früchte kann zu einer weitverbreiteten Krankheit führen, dem Reisedurchfall. Es handelt sich um eine oft harmlose Gastro-Enteritis8 die einem jedoch den Urlaub verderben kann, mindestens für einige Tage. Die harmlose Form des Reisedurchfalls wird meist durch einen wenig aggressiven Stamm des Bakteriums Escherichia coli verursacht.

 

 

Tollwütige Hunde

Die Tollwut ist in Europa selten geworden. In Asien und Afrika ist der Erreger dieser Krankheit, das Rabiesvirus, jedoch noch weit verbreitet und wird vor allem durch den Biss erkrankter Tiere (Hunde, Füchse, Stinktiere, Waschbären u.a.) übertragen. Treten Symptome auf, verläuft die Tollwut fast immer tödlich. Es existiert jedoch eine sehr effiziente Behandlung, sofern diese rasch nach der Infektion angewandt wird. Deshalb ist es sehr wichtig nach einer Biss- oder Kratzverletzung durch ein Tier in einem der Risikoländer der Tollwut sofort einen Arzt vor Ort aufzusuchen. Ausserdem gibt es eine wirksame Schutzimpfung gegen die Tollwut, die bei einem längeren Aufenthalt in einem der Risikoländer empfohlen wird, insbesondere wenn eine Aktivität mit erhöhtem Expositionsrisiko (z.B. Fahrradfahren, Wandern, Camping) geplant ist.

Hämatophag1 = Ernährt sich von Blut (der griechische Ausdruck « phage » bedeutet « essen »).

Zikavirus2 = durch Mücken der Gattung Aedes übertragen verursacht das Zikavirus im Allgemeinen eine milde Erkrankung mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlägen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Werden schwangeren Frauen infiziert, kann dieses Virus eine schwere Missbildung des Fötus (Mikrozephalie) verursachen, die zu geistiger Behinderung führt.

Denguefieber3 = Das Denguefieber ist eine Tropenkrankheit, die durch Mücken der Art Aedes übertragen werden kann, welche tagsüber stechen. Eine Ansteckung verläuft häufig ohne Symptome. Beim Denguefieber kommt es zu hohem Fieber, Kopf-, und Gliederschmerzen und Hautausschlägen. Das heilt meist spontan innerhalb von zehn Tagen aus. In gewissen Fällen können jedoch schwere und mitunter sogar tödliche Komplikationen auftreten. Diese äussern sich in unkontrollierten Blutungen. Es treten punktförmige Haut- oder Schleimhautblutungen, Blutungen im oberen Teil des Magen-Darm-Trakts, eine erhöhte Neigung zu Blutergüssen und Beschwerden des Gehirns und des Nervensystems auf.

Gelbfieber4 = Tropenkrankheit in Afrika und Südamerika die ebenfalls durch Stechmücken übertragen wird. Sie verursacht anfänglich grippale Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Kopfschmerzen. In schweren Fällen kommt es zu blutigem Erbrechen, blutigen Durchfällen, Blutungen aus verschiedenen Körperöffnungen sowie Blutungen in die Organe und in die Haut. Die Nieren und die Leber werden beeinträchtigt. Die Patienten werden komatös und sterben in 10-20 % der Fälle. Es existiert glücklicherweise eine effiziente Schutzimpfung gegen das Gelbfieber, welche für Reisen in bestimmte Länder obligatorisch ist.

Leishmaniose5 = Chronische Parasitenerkrankung, die in drei Formen Auftritt und durch verschiedene Erreger der Gattung Leishmania verursacht wird: die kutane Form (Hautleishmaniose), die viszerale (innere Leishmaniose) und die mukokutane Form (Schleimhautleishmaniose). Die Hautleishmaniose ist meist selbstlimitierend, während die zwei anderen Formen sehr schwerwiegend sein können. Diese Parasiten werden zwischen Mensch und Tier (vor allem Hunde) durch den Stich der Sandmücke übertragen.

Chagas-Krankheit6 = Durch Raubwanzen übertragene Tropenkrankheit verursacht durch den Parasiten Trypanosoma cruzi die in ländlichen Gebieten Zentral- und Südamerikas verbreitet ist. In gesunden erwachsenen Personen verläuft die Infektion oft ohne Symptome, während Kinder und Personen mit Beeinträchtigung der Immunabwehr7 besonders gefährdet sind. Mögliche Manifestationen sind Fieber, Müdigkeit, Hypertrophie von Leber und Milz, sowie Muskelschmerzen.  Bei etwa 30% der Infizierten entwickelt sich eine chronische Infektion mit manchmal schweren Schädigungen des Herzens und des Verdauungstraktes.  

Immunabwehr7 = Verteidigungsmechanismen (Antikörper, weisse Blutzellen) unseres Körpers, die gegen Infektionen schützen.

Gastro-Enteritis8 = Infektion des Verdauungstraktes die den Magen (griech: gaster) sowie den Darm (griech: enteron) betrifft.  Eine Gastro-Enteritis kann durch Viren (z.B. Rotaviren) oder durch Bakterien (z.B. Campylobacter jejuni) verursacht werden.